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Café

'Ein zentraler Ort auf dem Platz ist das Café, das urbanes Leben aufs Land bringt und entsprechend gestaltet ist. Im hinteren Bereich des Anbaus an das Veranstaltungshaus befindet sich Lounge-Bereich mit Sesseln und Sofas, sowie der Tresen mit der italienischen Espressomaschine, einer Kuchentheke und anderen Kühlgeräten. Hier wird bestellt, ausgeschenkt, bezahlt und mitgenommen. Im vorderen Café-Raum befinden sich kleine Tische, Stühle und Bänke, ebenso wie draußen. Sitzen kann man auch draußen, oder auf der gegenüberliegenden Terrasse, man muss aber sein Geschirr wieder zurückbringen. Wir planen regelmäßige Öffnungszeiten, die sich am Bedarf orientieren.

Ich stelle mir das Café besonders gerne im Nachtbetrieb vor. Es ist ein lauer Abend, die Türen stehen offen. Auch im Loungebereich sind die Schlangen jetzt kurz und es wird gemütlich. Menschen sitzen zusammen und sind sich nah. Sie gehören zu der Gruppe eines Jugendverbands oder sind Teilnehmende eines politischen Seminars, sind Dorfbewohner*innen oder Feriengäste, besuchen einen der Kreativ-Workshops, sind Vereinsmitglieder des JKBBS. Die schon erwähnte italienische Espressomaschine zischt, die Kaffeemühle schreddert portionsweise Bohnen. Leise klirren Rotweingläser. Aus den Boxen kommt die Musik, die die heutige Café-Crew ausgewählt hat. Das klingt nach Nickel Creek, progressive bluegrass mit sehr viel, sehr, sehr schnell gespielter Mandoline. Aber egal, was es ist, ist es jedenfalls kein deutscher Schlager. Es darf ein bisschen gestrig sein. Aber: Kosmopolitisch.

So ist das ganze Café, der ganze Platz: Innovativ gestrig. Nicht kapitalistisch, soweit das möglich ist, jugendbewegt, künstlerisch. Dem intensiven Nach-Denken, aber auch dem konstruktivem Hand-Werken verbunden. Praxisnah und theoriefreundlich. Wahrhaft divers und nonkonform, dabei beziehungsfähig und menschenfreundlich.

Später, gegen Morgen, wird vielleicht unter Freunden noch ein Film aus der umfänglichen Arthouse-Filmsammlung geguckt. Morgen wollen ein paar Musikerinnen im Veranstaltungshaus jammen.

Klar geht das hier wieder vorbei. Kein Feierabend, Festival, Zeltlager, Seminar oder Familienwochenende dauert ewig. Irgendwann geht’s zurück in das lebendige, neoliberalisierte, spannungsgeladene Berlin und in die entfremdete Lohnarbeit, als Erzieherin zum Beispiel, oder in das eigene Haus in der Umgebung von Schlowe. Aber es ist schön, hierher kommen zu können. Um Tatort zu gucken oder zu schnacken. Um in der Gemeinschaft Individualität und Zuverlässigkeit zu finden. Sich für etwas engagieren zu können, ohne Kosten-Nutzen-Rechnungen anstellen zu wollen. Und etwas von den Erfahrungen in den Alltag mitnehmen zu können, Kraft für Enttäuschungen und vielleicht für Kämpfe.

… Das ist zwar alles noch ein Versprechen: Der Anbau braucht ein neues Dach und wärmeisolierenden Fenster und Türen. Das Geld für diese Arbeiten wird aber noch im Juni beantragt werden. Dessenungeachtet hoffen wir die bereits gekaufte italienische Espresso-Maschine schon in diesem Sommer anschließen und mit einem provisorischen Cafébetrieb beginnen zu können.