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Sehr covide! Unser Corona-Update

Ich habe mich lange herumgedrückt, mich zum Thema dieser Monate zu äußern. Von der Sache her bin ich enorm verwirrt. Ich hätte es daher bestimmt auch bleiben lassen können, mag es aber nicht, stumm zu bleiben... Nun, ich will mich keinesfalls populistischen Skeptikern anschließen, was die Gefährlichkeit des Virus und die Sinnhaftigkeit der Schutzmaßnahmen in der BuReplDeutl angeht. Ich bin mir sicher, dass keine boshaften Mächte ihr Spiel treiben. Aber vielleicht ist zu konstatieren, dass eine rein virologische Sicht auf die Welt eben nur ein Blick auf die Welt und die Krankheit ermöglicht und eine pädagogische oder soziologische oder politische Sicht auf die Dinge zu jeweils anderen Ergebnissen und Prioritäten führen muss. Gleichzeitig gehen mir die Aufdeckerinnen aller Fraktionen auch ziemlich auf die Nerven. Jeder zweite Mensch scheint heute zur Aufklärungstheoretikerin zu mutieren und, die (zwangsäufige) Irrationalität politischer Maßnahmen zum Anlass nehmend, mit Hingabe am Ganzen zu zweifeln (Zweifel am Ganzen will ich damit keinesfalls diskreditieren, aber Marx‘ Motto »de omnibus dubitantum« schließt im Sinne ernsthafter Dialektik ja auch die Zweifel am Zweifel und eine gewisse Distanz an der eigenen Position mit ein - was allerdings schon bei Marx nicht so gut geklappt hat). Jedenfalls sind die vorgebrachten kritischen Argumente an der herrschenden Irrationalität häufig nicht weniger irrational. Vielleicht hat es Schweden schlauer angestellt, mit seinem liberaleren Krisenmanagement. Aber die USA, Great Britain und der brasilianische Faschist Bolsonaro sind mit ihrer Überheblichkeit ziemlich auf die Nase gefallen. Wer wollte sich schon anmaßen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Was sind die US-amerikanischen Ghettos gegen die endlosen Weiten des schwedischen Dalarna? Ich kann nur konstatieren: Gesichtsmasken sind ätzend. Und vermutlich eher ein verzweifeltes Symbol. Aber die Zahl der Kontakte zu minimieren scheint eine angebrachte Strategie. Und mich beeindruckt dieser Tage, dass es möglich ist, den Kapitalismus aus pandemischen Gründen derart abzubremsen. Dabei war es doch immer  unsere feste Überzeugung, dass den Kapitalismus in seinem Lauf weder Ochs noch Esel aufhalten. Wurden wir diesbezüglich nicht eines Besseren belehrt? Sind wir nicht Zeugen der Tatsache geworden, dass der Sorge um Intensivkapazitäten oder Menschenleben gegenüber Profitinteressen wenigstens phasenweise der Vorzug gegeben wurde? Oh, je! Erstens ist das wahrscheinlich auch nur ein pseudorationales Argument zu dem geneigte Diskutantinnen sofort Widerspruch einlegen. Und: Obwohl ich gar nicht wollte, bin ich jetzt doch ins Schwadronieren und Vernünfteln gekommen…

Zurück zu den Brillen, durch die die aktuelle Realität eine jeweils andere Farbe bekommt: Aus unserer Brille betrachtet liegt es nahe, vehement die Öffnung von Gruppenzeltplätzen zu fordern. Garniert mit dem (triftigen!) Argument, dass Kinder und Jugendliche im Sommer dringend die Möglichkeit haben müssen, an Gruppenfahrten teilzunehmen. Und natürlich wünschen wir uns genau das für die nächsten Wochen und Monate. Wir machen uns Sorgen um die soziale Entwicklung von Heranwachsenden (und Erwachsenen) in der Isolation und um den Familienfrieden. Aber natürlich vertreten wir diese Auffassung auch deswegen, weil wir uns Leben auf der »Insel« wünschen und, ja, Einnahmen, die die Betriebskosten decken und unser Bauvorhaben mitfinanzieren. Nicht zuletzt würden wir allen Interessierten gerne unser durchrenoviertes Duschhaus zeigen, unseren frischbegrünten Zeltplatz, unser Café und die Baufortschritte des Neubaus. Aber das ist ja auch das Phänomen dieser Zeit: Alle argumentieren. Für sich selbst. Unhinterfragte Eigeninteressen sind aber der Aufklärung bekanntlich nicht dienlich. Es fällt mir daher schwer, hier argumentatorisch auf den Putz zu hauen. Also enthalte ich mich im weiteren Verlauf aller Plädoyers und versuche in den folgenden Zeilen zu skizzieren, wie die Lage auf der »Insel« ist und was ab Himmelfahrt gehen könnte und was nicht.

Was bisher geschah(det hat)…

Mecklenburg-Vorpommern ist vom Corona-Virus bisher wenig betroffen. Im gesamtem Landkreis Ludwigslust-Parchim (einem der größten in der BRD) stagniert die Zahl der offiziell Infizierten seit Wochen bei 79 Personen. Dennoch waren die Regelungen der Landesregierung in Schwerin in den letzten Monaten ziemlich restriktiv. So sind bekanntermaßen die Grenzen zum übrigen Bundesgebiet ziemlich dicht und wochenlang waren hierzulande selbst die Baumärkte geschlossen. 

Die Lage der »Insel« ist, dass einkalkulierte und gebuchte Unterbringungen in den Osterferien und an Pfingsten bis in den Juni hinein abgesagt werden mussten und uns Einnahmen in Höhe von knapp 8.000,- Euro entgangen sind. Immerhin können wir den Großteil der Fixkosten durch Soforthilfegelder der Ehrenamtsstiftung ausgleichen – für die Monate April bis Juni. Immerhin haben wir gegenüber anderen Plätzen den großen Vorteil, dass keine Pacht- und Personalkosten anfallen. Andererseits benötigen wir für die Ertüchtigung und Gestaltung der Infrastruktur und besonders für de Neubau natürlich eine Menge Geld und können uns Miese bezogen auf die Saison nicht leisten.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die grundsätzlichen Kontaktbeschränkungen der Bundesregierung gelten zunächst bis zum 5. Juni. Wir sind zwar WIRologen, dennoch gelten auch auf der »Insel« die insgesamt schon in Fleisch und Blut übergegangen Abstandsregeln. Wir husten uns beispielsweise nicht gegenseitig ins Gesicht! Dennoch wollen wir natürlich, im vertretbaren Maße, Gemeinschaftserlebnisse vermitteln. In diesem Spagat sind die Regelungen der mecklenburgischen Landesregierung in vier Aspekten für uns relevant:

  1. Für die Jugend(verbands)arbeit gilt seit dem 11. Mai gilt in Mecklenburg/Vorpommern, wie in anderen Bundesländern, dass »Angebote und Maßnahmen gemäß der §§ 11 bis 14 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (…) mit Ausnahme der Angebote und Maßnahmen gemäß § 11 Absatz 3 Nummer 4 und 5 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (…) vorgehalten und genutzt werden (dürfen)«. Kinder- und Jugenderholung sind demnach untersagt, wie auch der internationale Jugendaustausch, hingegen sind die »außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung« und die »Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit« sind gestattet. Fahrten im Sinne der außerschulischen Jugendbildung und der Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit sind also unter Auflagen möglich, reine Jugenderholungsfahrten nicht. Es besteht zwar keine Maskenpflicht, Gruppen dürfen aber die Zahl von 10 Personen pro Betreuer nicht überschreiten und müssen Abstand halten. 
  2. Als Beherbungsbetrieb dürfen wir ab dem 18. Mai Gäste aus Mecklenburg und ab dem 25. Mai Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet aufnehmen. Obwohl die Details dazu noch nicht bekanntgegeben worden sind, könnte es auf folgende Richtlinien hinauslaufen: Wir dürfen nur 60% unserer Übernachtungs-Kapazitäten anbieten. Sinnvollerweise bedeutet das, 6-Bett-Bungalow nur mit 4 Personen zu belegen, es sei denn, die Nutzer*innen wohnen in einer WG, sind Angehörige einer Familie oder eng befreundet. Die Bungalows müssen von den Nutzenden sauber gehalten und regelmäßig belüftet werden. Auf dem Zeltplatz gilt vermutlich die Devise »Iglu-Zelt vor Gruppenzelt«. Verpflegung durch unsere Großküche und die Essensausgabe im Speisesaal werden möglich sein, wenn auch auf Salatbüffets verzichtet werden muss (vorerst gibt es nicht die allseits beliebten Wrapbüffets). Laut Schweriner Volkszeitung (SVZ) vom 7. Mai dürfen in Freibädern Dusch- und WC-Bereiche nur von maximal zwei Personen gleichzeitig betreten werden. Auf Campingplätzen und in Jugendherbergen bleiben Selbstversorgerküchen geschlossen. Es bleibt abtzuwarten, wie das für gemeinnützige Einrichtungen wie Jugendzeltplätze geregelt sein wird. 
  3. Das Café »Wahrheit« kann (wenn bis dahin der Betrieb einer Gaststätte beantragt und genehmigt ist) am 28. Mai eröffnen, vor allem im Außenbetrieb. 

Der Sommer!

Himmelfahrt kann offenbar, nach Rücksprache mit dem Landkreis, eine kleine Gruppe der Mecklenburger Falken offiziell auf dem Platz untergebracht werden. Pfingsten wollen wir das Richtfest des Neubaus, die Café-Eröffnung, die Einweihung der frisch renovierten Duschräume und des Ballhauses feiern.

Für den Sommer hat es einerseits Absagen für Großzeltlager u.a. Maßnahmen gegeben, andererseits haben wir in den letzten Tagen vermehrt Anfragen für ursprünglich im Ausland geplante Fahrten bekommen. Ein Schwerpunkt dürften Gruppenreisen von Einrichtungen der Stationären Jugendhilfe sein, die als Angehörige eines Haushalts nicht der Kontaktsperre unterliegen. 

Eine Grundschwierigkeit für die Planung der Gastgruppen und uns ist, dass auf beiden Seiten der Voraussetzungen für Reisen gegeben sein müssen. Die Gruppe muss reisen dürfen und wir müssen aufnehmen dürfen. Wegen der befürchteten zweiten Infektionswelle im ganzen Land oder in sogenannten Corona-Hotspots kann es auf beiden Seiten kurzfristig zu Absagen kommen. Wir werden daher viele Anfragen entgegennehmen und alle zur Verfügung stehenden Flächen bereithalten. Uns sind gelingende Reisen und Projekte wichtig und wir wollens nicht übertreiben. Aber wir müssen, um 2021 für euch da sein zu können unser ökonomisches Überleben sichern.